Was sich viele Zeitgenossen zum Weihnachtsfest sehnlichst als Wetter wünschen, hatten wir am 8. Dezember zum endgültigen Saisonausklang. Eine weiße Winterlandschaft. Zusätzlich über Tag einen strahlend blauen Himmel. Am Morgen zeigte das Thermometer am "Wäschezaun" frostige 15 Grad unter Null an. Der strenge Frost hielt die Dampflokomotiven komplett von der Strecke fern. Zu groß war die Angst der Lokpersonale, dass ihre Armaturen und Leitungen außerhalb des Kessels einfrieren könnten. Auch die Aussicht auf eingefrorene Füße und Finger beim Be- und Endladen der Lokomotiven schreckte ab. Die oft so geschmähten "Säureböcke" hingegen hatten ihre große Stunde.

Nikolauszug

Der junge Lokführer oben hatte seinen Zug ganz auf das Thema Nikolausdampf ausgerichtet. Selbst der Lok hatte er einen Kopfschmuck in Form einer Nikolausmütze spendiert. Im zweiten Wagen stand ein Nikolausgespann mit Rentier, Schlitten und natürlich auch dem Nikolaus.

Rentier mit Nikolaus

Das Rentier und der knuffige Nikolaus waren im Hochbordwagen aufgestellt. Auf den zahlreichen Fahrten des Zuges konnte man das Ensemble immer wieder bewundern.

Bevor jedoch der Fahrbetrieb überhaupt begonnen werden konnte, mussten zunächst einmal die Gleise vom Schnee befreit werden. Dem Lokführer des Zuges mit dem Schneepflug war der Schnee eigentlich nicht hoch genug. Doch die eisigen Temperaturen forderten von seinem Gespann alles. Der auf den Schienenköpfen verbleibende Restschnee drückte sich schnell zu einer dünnen Eisschicht zusammen. Da hatten auch 16 angetriebene Achsen ihre Mühe. Die Betonung liegt auf Mühe. Denn zu stoppen war der Zug mit dem Pflug natürlich nicht, nur etwas langsamer im Vortrieb.

Zug mit Schneepflug

Nachdem nahezu alle Gleise von dem netten Kollegen vom Schnee befreit waren, spannte dieser noch einen ganzen Kohlezug hinter seine beiden Lokomotiven. Ein Arbeitszug ging danach ebenfalls auf die Strecke. Dieser schob eine Personenzuggarnitur in den Hauptbahnhof. Wartende Passagiere gab es jedoch dort noch nicht. Es war eindeutig noch zu kalt.

Hilfszug mit frierendem Lokführer

Als der schon nach kurzer Dienstfahrt am Morgen leicht bibbernde Lokführer die Personenwagen abgestellt hatte, erwärmte er sich kurze Zeit später an dem Anblick des strahlend blauen Himmels und den Strahlen der höher kletternden Sonne.

Winterhimmel

Wie schon am Anfang des Beitrages erwähnt, traute sich keine einzige Dampflok auf die Strecke. Denn trotz des Sonnenscheins blieb es eisig kalt im Huserland. Auch Besucher fanden sich kaum ein. Wie ich später erfuhr, hatten einige nicht nur Angst vor der Kälte, sondern auch vor Schneeverwehungen und Straßenglätte. Doch auch alle Zufahrtsstraßen waren wie immer gut geräumt, denn das Huserland liegt an einer Schulbuslinie.

Dieselzug im Hauptbahnhof

Der Fahrbetrieb an diesem Tage blieb also eher spärlich. Problematisch waren während des Betriebes immer wieder einfrierende Weichen. Trotz Reinigung der Weichen mittels Drahtbesen, froren die Zungen immer wieder an. Denn irgendwie kam ständig neuer Pulverschnee zwischen die beweglichen Teile der Weichen gerieselt. Bei den Stellbewegungen wurde dieser gepresst und nun lagen die Zungen weder sauber an, noch ließen sie sich zurück bewegen. Wichtigstes Werkzeug bei den Rangierfahrten war daher der "Schneebesen".

Weiche vom Schnee befreien

Um eine Weiche wieder gängig zu machen, reichte ein Drahtbesen und ein durch kurze Fußtritte der Stellkraft des Seilzuges nachhelfender Rangierer. Schon war der Fahrweg wieder frei und sicher befahrbar.

Es war zwar windstill im Huserland, doch bereits der leichte Fahrtwind schnitt den Lokführern im Gesicht. Ohne eine warme Kopfbedeckung konnte man es auf dem Zug kaum aushalten.

Dieselzug auf der Paradestrecke

Einer der wenigen Passagierzüge beim diesjährigen Nikolausfahrtag. So dicht gedrängt auf dem Wagen zu sitzen, hatte an diesem Tag einen echten Wärme-Vorteil.

Sonnenbad im Hauptbahnhof

Während der Mittagsstunden wurde es ein wenig wärmer. Frost hin oder her, es gab die Gelegenheit ein kurzes Sonnenbad zu genießen.

Diesellok im Schatten

Schon bald aber stand die Sonne wieder tief. Auf dem Zug wurde es auf den schattigen Abschnitten wieder "lausekalt". Da musste man nach ein paar Fahrten auch immer mal wieder im geheizten "Eisenbahnerwohnheim" Unterschlupf suchen. Bei einer Tasse mit heißem Kaffee und leckerem Gebäck konnte man sich dort aufwärmen und mit den Kollegen fachsimpeln.

Die Spaßbank steht

Auch die Spaßbank fror einsam vor sich hin. Niemand mochte auf ihr sitzen. Und wer dennoch zu ihr kam wollte lediglich ein Rauchopfer darbringen. So waren die von den Raucherinnen und Rauchern erzeugten Wolken die einzigen durch Feuer erzeugten Rauchfahnen des Tages. Spaßig war der Anblick jedenfalls für die vorbeifahrenden Lokführer. Um warm zu bleiben, hüpften nämlich die Damen und Herren "Spaßbänker" bei ihrer Tätigkeit ständig von einem Bein auf das andere.

Wetterstation im Frost

Die Wetterstation im Huserland hatte den ganzen Tag über ihren frostigen Belag nicht abschütteln können. Wäscheleinen, Weidezäune und auch der Schafdraht beim Bahnhof Ponnyhof trugen durchgängig "Eisblumen".

Eiskristalle am Zaun

Nur wenige Lokomotiven verirrten sich zum letzten Fahrtag des Jahres 2012 in den Bahnhof Ponnyhof. Dabei gab es dort neben emsigen Aktivitäten auf dem Ententeich (fließendes Gewässer) die schönsten Eisblumen und eine wie ein Schneeengel aussehende Drehscheibe zu entdecken.

Drehschibe im Schnee

Auch nach Sonnenuntergang wurde noch gefahren. Das Thermometer war schon wieder unter minus 10 Grad Celsius gefallen. Die Akkus hatten immer noch genügend Energie. Einige der noch aktiven Lokführer kamen aber anschließend mit vor Kälte klappernden Zähnen ins Eisenbahnerwohnheim gefahren. Getreu dem Motto: "Nur die Harten kommen in den Garten."

 

 

 

 

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