Saisoneröffnung im Huserland

 

Das Modell der Dampflok der Fichtelbergbahn war angheizt und betriebsbereit. Alle Hilfsvorrichtungen waren entfernt und die Maschine ging wenig später vom BW aus auf die Strecke.

Am ersten Mai wurde im Huserland wieder die Gartenbahnsaison eröffnet. Das Frühjahr dauerte zu diesem Termin gerade mal gefühlte zwei Wochen. Entsprechend spät konnte (besser: wollte) ich mit den Vorbereitungsarbeiten beginnen. Zu tun gab es natürlich reichlich. Im Winter waren auf der Amlage zwei Bäume gefällt worden. Um die Gleise vor der Deformierung durch die fallenden Stämme zu bewahren, hatte ich einige Gleisabschnitte  komplett entfernt. Dem nicht enden wollenden Winterwetter sei Dank, waren diese Mitte April noch nicht wieder montiert.

Meine Freunde von der Bergbauabteilung hatten über Winter ebenfalls ganze Arbeit geleistet. Maulwurfshügel und Wühlmausspuren soweit das Auge reichte. In diesem Jahr hatten sie sich sogar den Bereich des Betriebswerkes heimgesucht. Die Herrichtung der Anlage begann erst zwei Wochen vor dem Andampfen. Als erstes wurden sämtliche Grünflächen mit vom Rasenmäher gezogenen Eisenringen abgeschleppt und die Hügel gegeschleift. Anschließend drückte die Walze die Wühlmausgänge platt. Von der Baumfällaktion lagen noch jede Menge kleinerer Aststückchen und reichlich Sägemehl herum. Ich entdeckte meine Sammelleidenschaft...

Leider konnte ich immer nur nach Feierabend wekeln und so verging zur Grobreinigung der Anlage eine ganze Woche. Die Gleislücken bestanden immer noch! Aber mit einer Woche Urlaub bis zum Andampfen hat es noch geklappt. Täglich wuselte ich über die Anlage und schotterte nach, zupfte Gräser und Kräuter aus dem Gleisbett, richtete einige Gleise neu aus, entfernte hie und da einige "Gleisunebenheiten", usw. und baute auch die fehlenden Gleisstücke wieder ein.

 

Die Dampflok "Zornige Ameise" kurz vor dem Hauptbahnhof Kottmannshausen. Dieser Gleisabschnitt war für die Baumfällarbeiten komplett entfernt worden.

Doch was man in der Winterzeit bei Temperaturen um die Null Grad ausgebaut hat, will im Frühling bei Fünfzehn Grad nicht wieder in die Lücken hinein passen. Irgendwie waren nämlich meine noch einzubauenden Schienen an "einer Stelle" knapp 5 Zentimeter zu lang. Bevor sie jetzt einen Leserbrief schreiben, ich weiß das mit den Verlegetemperaturen. Eigentlich. Glücklicherweise waren die morgentlichen Temperaturen trotz Frühling immer noch nahe der Null Grad. Durch frühes Aufstehen gelang es , die nun nahe der Ausbautemperatur befindlichen Schienen wieder in die ursprünglichen Lücken einzusetzen. Schwein gehabt. Der Fahrtag konnte kommen.

Zum Andampfen waren natürlich auch E-Loks unterwegs. Diese Maschine wird von einem Personal aus Düsseldorf gefahren.

Das Krokodil der Schweizerischen Bundesbahn passiert gerade die sogenannte Spaßbank des Huserlandes. Der Lokführer ist auch der Erbauer der Maschine.

 Zum ersten Fahrtag des Jahres 2013 gab es im Huserland wieder schönes Frühlingswetter. Zwar blühten die Obstbäume noch nicht, aber ein zartes Grün war schon vielfach zu sehen. Zum vierten Mal veranstaltete der Rassegeflügelzuchtverein meines Nachbarn in der Scheune ein Wettkrähen der Hähne. Ab 10 Uhr Morgens krähten über dreißig Hähne um die Wette. Jeder Kräher in einer bestimmten Zeitspanne wurde von einer Jury gezählt. Die Siegertiere ließen ihr "Kikeriki" zwischen 50 und 70 Mal hören. Was für die Geflügelzüchter Musik in den Ohren war, bezeichneten manche Eisenbahner als Krach. Wie auch immer. Beide Gruppen boten der jeweils anderen ein schönes Spektakel.

Der hölzerne Hahn am Straßenrand weist den Weg zum Wettkrähen

Der Große Hahn stand an der Straße und wies auf das nun schon zum vierten Mal im Huserland stattfindende Hähnewettkrähen des "RGZV Radevormwald 1894" hin

Während die Lokomotiven fuhren, krähten die Hähne krähen in der Scheune die Hähne um die Wette.

In der alten Scheune saßen die Hähne im sicheren Abstand voneinander in großen Käfigen und krähten um die Wette. Das sie dieses tun, hat mit ihrem natürlichen Dominanzverhalten zu tun. Die Züchterinnen und Züchter warteten derweil gespannt vor dem Scheunentor und hofften auf den Sieg (die meisten Kräher) ihres Hahnes.

Der Rassegeflügelzuchtverein bot unseren Gästen allerlei Informationen rund um das Geflügel an. Zwischen den Speichen eines alten Wagenrades zeigte der Geflügelverein unterschiedliche Eier von allerlei Geflügelrassen. Aufsehen erregten dabei die kupferfarbenen Exemplare. Die vorbereiteten Flyer zur Geflügelhaltung und was der Verein möglichen Geflügelzüchtern und Haltern bietet, stießen anscheinend auch bei den Eisenbahnern auf reges Interesse. Am Ende des Tages war keines der Prospekte mehr verfügbar. Möglicherweise wird künftig der eine oder andere Eisenbahnkollege demnächst auch ein paar Hühner halten und neben der Bastelei an Loks und Wagen der eigenen Familie ein frisches Frühstücksei aus eigener Produktion auf den Tisch bringen. Wer weiß...

Im Wagenrad präsentierte der Geflügelzuchtverein unterschiedliche Eier der verschiedenen Rassen.

Am Rande der Gartenbahn präsentierten die Geflügelzüchter allerlei Interessantes zur Geflügelhaltung und Zucht. Rechts im Bild steht an der Scheune das Wagenrad mit vielen unterschiedlichen Hühner- und Enteneiern.

Am Nachmittag waren die Wettspiele der Hähne vorbei, die Pokale verteilt und die stolzen Besitzer der Hähne geehrt. Damit konzentrierte man sich nun wieder mehr auf die Eisenbahn. Manche Lokomotiven verfügen über mehrere Personale. Die sind meistens männlich. Aber am 1. Mai tat gelegentlich auch eine Frau Dienst auf der knapp 280 Kilogramm wiegenden Dampflok der Fichtelbergbahn. Noch ein paar Hinweise vom Oberlokführer und los ging die Fahrt.

 Dampfloks werden gelegentlich auch von Frauen gefahren

Den ganzen Tag über herrschte reger Betrieb auf der ganzen Anlage. Insgesamt waren an diesem Tag 25 Lokomotiven auf der Strecke. Manche Besucher wollten nur zusehen, andere aber gerne auch einmal mitfahren. Der Personenzug des Huserlandes stand dazu natürlich wider bereit.

Viel los im Hauptbahnhof Kottmannshausen

Auf den mehr oder weniger langen Zügen reisten glücklich drein blickende Passagiere durch das Huserland. Egal ob Kind oder schon erwachsen. Spaß an der Fahrt hatten sie offenbar alle.

Personenzug

Ein Zug mit Gütertransport und Personenbeförderung

Viel beachtet und oft fotografiert wurde natürlich das große Modell der Dampflok der Fichtelbergbahn. Unterwegs war sie den ganzen Tag über. Wie schon oben erwähnt, bedienten sie unterschiedliche Personale. Als Fichtelbergbahn wird heute die von Cranzahl nach Oberwiesenthal fahrende sächsische Schmalspurbahn bezeichnet. Aber auch im Huserland machte sie, wo immer sie auftauchte, eine ausgesprochen gute Figur.

Rauchkammeransicht der 99785

Zugbegegnung mit 99785

99785 dampft auf der Paradestrecke

Aber nicht nur die Dampflok der Fichtelbergbahn war schön anzusehen. Es gab an diesem Tag auch viele "kleine Schönheiten" auf der Strecke in Gestalt von Dampf- Diesel- oder Elektrolok zu entdecken. Da waren E-Lok-Modelle der Kölner Verkehrsbetriebe, mehrere Feldbahndampfloks, Feldbahndiesel in unterschiedlichsten Ausführungen und und und... Meine Lieblingslokomotive, die sogenannte Koef, war auch mit zwei Varianten am aktiven Fahrbetrieb beteiligt.

Eine blau lackierte Reichsbahndiesellok

Elektrische Kleinlokomotive

Elektrische Kleinlokomotiveabgestellt  im Hauptbahnhof

 Feldbahndampfer mit kurzem Zug

E-Lok-Modelle der Kölner Verkehrsbetriebe

Der unten abgelichtete Herr und seine Dampflok "Zornige Ameise" hatten an diesem Tag gemeinsam ein Jubiläum. Vor genau 10 Jahren hatte er mit genau dieser Lok erstmals das Huserland zu einem Fahrtag besucht. Wie man leicht erkennen kann, bereitete ihm die Fahrerei im Huserland immer noch viel Freude.

Lok Zornige Ameise und sein Personal

10 Jahre besucht er nun schon das Husewrland

Der ehemalige Chef der Spaßbank ließ sich wieder einmal nicht blicken. Sehr zum Leidwesen mancher Lokpersonale, welche die fachkundigen bis spitzen Bemerkungen jenes Herren doch sehr vermissen. Doch der frei bleibende Platz ermöglichte es anderen Spaßbänkern von dieser Warte aus ein kleines Spektakel im Hauptbahnhof zu beobachten. Der Lokführer der Diesellok wollte einen Personenzug an den Haken nehmen und rangierte an die Wagen heran. Nach dem Koppelmanöver forderte er die Passagiere auf Platz zu nehmen, die Füße auf die Trittbretter zu nehmen und während der Fahrt auf den Wagen nicht zu schaukeln. Sodann nahm er selber auf dem Bedienwagen Platz und wollte anfahren. Das Klacken des Nockenschalters war deutlich zu hören, Das Motorgeräusch wurde laut und lauter, aber der Zug bewegte sich nicht. Da der Huserlandpaparazzi ebenfalls auf dem Zug saß, bezichtigte er diesen sogleich eine unzulässige und schelmenhaft vorgenommene "Fuß im Schotter-Bremsung" des ganzen Zuges vorgenommen zu haben. Doch dieser Vorwurf ließ sich schnell entkräften. Der verdächtige Schelm verließ den Zug und stand nun Abseits. Doch wieder rollte der Zug, trotz lautem Motorgeheul, nicht an. Daraufhin erfolgte eine Untersuchung der Maschine im Bahnhof. Hauben runter und siehe da, ein loses Kettenritzel war die Ursache. Der Lokführer wurde kurzerhand zum Maschinisten. Mit einem Hammer versuchte er dem Ritzel zu erklären, auf welchem Platz es eigentlich hätte sitzen sollen. Das Ritzel jedoch zeigte sich von den feinfühligen Versuchen des Maschinisten völlig unbeeindruckt und tat nicht wie ihm geheißen. Daher wurde die Lok mitsamt des nun nörgelndem Maschinisten in den Lokschuppen abgeschleppt.

Besatzung der Spaßbank

Die streikende Doiesellok hat einen Getriebeschaden

Für den gelungenen Fahrtag möchte ich mich bei allen Besucherinnen und Besuchern bedanken. Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle die Aktiven mit ihren Loks und den Wagen, die Damen mit ihren Kuchenspenden, alle Helferinnen im Eisenbahnerwohnheim, meine liebe Frau und ihren unermüdlichen Einsatz vor, während und nach der Veranstaltung, sowie die Rassegeflügelzüchter mit ihrem Wettbewerb und den prächtigen Tieren.

 

Bis zum nächsten Fahrtag

Michael Huser